𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟
Als Mutter fühle ich mich oft wie in einem Wirbel aus Terminen, Spielsachen, Gefühlen und Erwartungen. Und genau in diesem Alltag knüpft Lamotte an: Sie spricht nicht einfach über „Mutter sein“, sondern über Muttersein mit neurodivergenten Voraussetzungen – etwas, das ich bisher selten so offen und konkret gelesen habe. Schon die Einführung gibt zu verstehen: Erschöpfung, Überreizung, das Gefühl, ständig hinterherzuhinken – all das kann nicht nur „normaler“ Stress sein, sondern ein Hinweis auf unerkannte Muster.
Was mir besonders gut gefallen hat
Lamottes Stil ist angenehm locker und persönlich – ich hatte tatsächlich das Gefühl, sie spricht direkt mit mir im Wohnzimmer. Sie verbindet eigene Erfahrungen (als vierfache Mutter, Doula und spät diagnostizierte ADHS-Betroffene) mit fundierten Hinweisen und klaren Strategien.
Mir hat gefallen, wie sie vermeintliche „Schwächen“ nicht nur benennt, sondern echte Tools anbietet: Wie ich meinen Alltag besser ordnen kann, wie ich Bedürfnisse erkenne, wie ich Stress anders bewältige – nicht mit „Mehr Disziplin“, sondern mit Freundlichkeit, Verständnis für mich selbst und pragmatischen Ideen.
Auch die Gestaltung fand ich ansprechend: Der Ratgeber ist durchgehend zweifarbig, mit Illustrationen – das lockert das Lesen auf und macht ihn nicht zu einem trockenen Fachbuch.
Was ich weniger überzeugend fand
Allerdings muss ich sagen: Einige Kapitel wirken recht grundlegend und erinnern eher an eine Einführung – wer schon viel über Neurodivergenz oder ADHS gelesen hat, findet hier vielleicht wenig Neues. Zudem bleibt der Schritt von „Ich erkenne, dass ich neurodivergent bin“ zu „Ich habe das dauerhaft im Griff“ für mich noch ein Stück weit offen – das Leben mit Kindern ist eben nicht planbar und Lamotte macht das auch transparent, aber ich hätte mir in manchen Teilen noch tiefere praxisbezogene Fallbeispiele gewünscht.
Manchmal fühlte sich das Tempo ein wenig gemächlich an – so nach dem Motto: „Gut, so kannst du’s machen“, und ich dachte: „Ja – und jetzt?“ Ein Nachsatz mit „so könntest du weitermachen“ hätte ich mir öfter gewünscht.
Mein Fazit
Insgesamt fühle ich mich durch dieses Buch bestärkt. Wenn du als Mutter das Gefühl hast, dass „normaler“ Stress nicht alles erklärt, wenn du dich gelegentlich fragst, ob dein Gehirn nicht doch anders tickt – dann hast du mit diesem Buch eine liebevolle Begleiterin gefunden. Lamotte schafft es, das Thema nicht nur sachlich, sondern empathisch und lebensnah zu behandeln.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen – weil das Buch viele Türen öffnet, aber noch nicht jede Tür in ein komplett neues Raumkonzept verwandelt. Es ist sehr wertvoll, aber kein Allheilmittel (was eh nicht realistisch ist).
Ich kann es dir empfehlen, wenn du dich angesprochen fühlst – und hoffe, dass du beim Lesen ein Gefühl von „Ja, ich bin nicht allein“ mitnimmst. Wenn du willst, kann ich dir auch eine Kurzfassung der wichtigsten Tools aus dem Buch aufbereiten.
Rezension von Silvana
