Rezension | Brittainy Cherry - Weil wir es uns versprochen haben


Rezensionsexemplar als Ebook

★★   4,5   Sterne 

Weil wir es uns versprochen haben 
Erschienen bei LYX
EBook (11,99€)

Erscheinungstermin: 31.10.2025
 390 Seiten

𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟


Von Anfang an hat mich die Geschichte von Kierra Hughes gepackt: Sie steckt in einem Leben, das nicht ihres war, fühlt sich gefangen – und ihre Tochter ist ihr Anker. Dann steht plötzlich Gabriel Sinclair vor ihr – ihre erste große Liebe, früher und doch jetzt ganz anders. Aufgrund eines Unfalls hat er keine Erinnerung mehr an sie und die gemeinsame Vergangenheit. Dieser Moment – so banal er zunächst scheint – zieht einen mit einer ungeheuren emotionalen Kraft in die Geschichte hinein.


Das Besondere an der Erzählung war für mich, wie Cherry das Trope der „Second Chance Romance“ nutzt und zugleich eine schwere Thematik integriert: Erinnerungslosigkeit, Schmerz, Verlust, aber auch Hoffnung und Heilung. Kierra trägt ihre Verletzungen mit sich, Gabriel ist ein Mann, der jetzt neu beginnen muss – und beide müssen sich sozusagen neu kennenlernen, mit allem, was zwischen ihnen war und was jetzt ist.


Der Schreibstil war für mich stimmig: Zugänglich, bildhaft, mit einem Hauch Melancholie, der aber nicht dauerhaft verdrückend wurde. Ich fühlte mit Kierra mit, wenn sie sich ihrer Vergangenheit stellte; ich spürte die Spannung, wenn Gabriel ihr gegenüberstand und etwas in ihm schlummerte, das er nicht greifen konnte. Die Dialoge, die inneren Monologe – sie wirkten insgesamt authentisch und haben mich beim Lesen gehalten. Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen.


Was mir besonders gefallen hat:

Die Darstellung der Verletzlichkeit der Protagonistin ohne dass sie zur reinen Opferrolle wird. Kierra kämpft, zweifelt, träumt, fällt und steht auf.

Die Dynamik zwischen Vergangenheit und Gegenwart – wie Erinnerungen eine Brücke bauen und doch so viel verloren sein kann.

Das Setting, das Gefühl von Vertrautem und Fremden zugleich.

Die emotionale Wirkung: Es gibt Momente, bei denen ich innehalten musste, auch Tränen zurückhielten, weil es so tief ging.


Was mir weniger gut gefallen hat:

Der Plot folgt in Teilen bekannten Mustern („erstes Leben, Unfall, Gedächtnisverlust, Wiederbegegnung“) – wer sehr viel Romance liest, kennt solche Bausteine, und hier hätte ich mir gelegentlich noch stärkere überraschende Wendungen gewünscht.

Manche Nebenfiguren blieben etwas blass – während Kierra und Gabriel sehr im Fokus stehen, hätte ich mir bei der Umgebung, bei Nebenhandlungen, mehr Tiefe gewünscht.

Der Übergang von Schmerz zu Heilung verläuft relativ schnell gegen Ende. Ich verstehe, dass Hoffnung im Mittelpunkt steht – dennoch hätte ich mir für meinen Geschmack einen etwas größeren „Zwischenschritt“ gewünscht.


Insgesamt finde ich, dass dieses Buch ein sehr gelungenes Beispiel für emotionale Liebesromane ist, ganz im Stil von Brittainy C. Cherry – mit Herz, Tiefgang und Gefühl. Wer bereit ist für eine Geschichte über zweite Chancen, über das Erinnern und Vergessen und über Liebe, die sich erneut erheben kann, wird hier gut aufgehoben sein.


Mein Fazit: Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen. Für mich war es eine berührende, mitreißende Lektüre, die mich noch eine Weile nachwirken ließ – nicht perfekt, aber sehr sehr nah dran.

Rezension von Silvana