𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟
Nachdem mich A Study in Drowning schon völlig verzaubert hatte, war ich natürlich neugierig, ob Ava Reid dieses Niveau auch in einer dystopischen Kulisse halten kann. Kurze Antwort: ja – und wie! Fable for the End of the World hat mich von der ersten Seite an gepackt und bis zum Schluss nicht losgelassen.
Inesa als Hauptfigur ist so viel mehr als die Kandidatin, als die man sie zunächst kennenlernt. Sie ist verletzlich, stur, klug – und vor allem jemand, den man sofort anfeuern möchte. Melinoë, ihr „Engel“, ist genau das Gegenteil: kühl, tödlich, unnahbar. Und trotzdem blitzen da immer wieder Momente auf, in denen man merkt, dass zwischen den beiden mehr ist als bloße Feindseligkeit. Dieses Enemies-to-Lovers-Spiel hat mich mehrmals innerlich quietschen lassen – und das, obwohl um sie herum eine lebensgefährliche Jagd tobt.
Die Welt, die Reid entwirft, ist beklemmend realistisch: steigende Meere, ein übermächtiger Konzern, der Menschen bis aufs Letzte auspresst, und ein perfider Wettkampf, der Grausamkeit als Unterhaltung verkauft. Gleichzeitig schafft sie es, poetische Momente einzubauen, die mitten in all dem Elend ein kleines Stück Hoffnung schenken.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie geschickt sie gesellschaftskritische Themen einwebt, ohne dass es jemals belehrend wirkt. Kapitalismus, Machtmissbrauch, die Frage nach Menschlichkeit – alles schwingt mit, aber immer durch die Figuren getragen.
Am Ende saß ich da, etwas atemlos, und mit diesem bittersüßen Gefühl, das nur die besten Bücher hinterlassen: der Wunsch, sofort wieder von vorn zu beginnen, kombiniert mit dem Wissen, dass mich diese Geschichte noch lange begleiten wird.
Für alle, die düstere Dystopien mit Herz, queerem Romance-Twist und einer Prise Hoffnung lieben: absolute Leseempfehlung. Ava Reid hat hier für mich nochmal eine Schippe draufgelegt – und das will was heißen.
Rezension von Silvana
