𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟
Ich bin mit ziemlich hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen – angekündigt wurde ein schwedischer Thriller, atmosphärisch dicht, voller psychologischer Spannung. Bekommen habe ich… naja, eher ein gut geschriebenes Familiendrama mit gelegentlichen Thrillerelementen.
Der Einstieg ist stark: Isak und Madde reisen auf die wunderschöne Insel Gotland, um Isaks entfremdeten Vater zu besuchen. Die Szenerie ist traumhaft, die Beschreibungen sind wirklich gelungen – Kvensler versteht es definitiv, Landschaften lebendig werden zu lassen. Auch sprachlich hatte ich überhaupt keine Probleme, im Gegenteil: Ich bin durch den Roman geflogen, weil der Stil flüssig, klar und dabei nicht langweilig ist.
Aber: Die Spannung, die ich mir bei einem Thriller erhofft hatte, ließ lange auf sich warten. Vieles dreht sich zunächst um zwischenmenschliche Konflikte, unterschwellige Spannungen und lange aufgestaute Familienprobleme. Das kann funktionieren – hier fühlte sich manches aber ein wenig zu konstruiert an. Einige Wendungen wirkten eher gezwungen als überraschend.
Was das Buch dennoch lesenswert macht, ist die Atmosphäre. Diese Mischung aus sommerlicher Leichtigkeit und unterschwelligem Unbehagen wurde gut eingefangen. Und gegen Ende zieht die Geschichte tatsächlich an – leider für meinen Geschmack etwas zu spät.
Unterm Strich: Die Insel ist kein schlechter Roman, aber eben auch kein Pageturner im klassischen Thriller-Sinne. Wer Familiendynamiken mit dunklen Geheimnissen mag, wird hier sicher gut bedient. Wer Hochspannung von der ersten Seite an sucht, sollte seine Erwartungen etwas justieren. Für mich ein solider Roman mit Potenzial nach oben.
Rezension von Silvana
