Also ehrlich – ich dachte, ich krieg hier ein bisschen gepflegte Traurigkeit serviert, vielleicht eine Träne im Augenwinkel, ein Gläschen Rotwein dazu. Was ich bekommen habe, war eine volle Ladung Familienchaos, Gefühlsachterbahn und diese ganz spezielle Art von Melancholie, die einem das Herz erst zusammendrückt und dann ganz vorsichtig wieder aufpustet.
„Heute kein Abschied“ hat mich echt überrascht. Und zwar auf die angenehm-verrückte Art. Drei Geschwister, ein toter Vater (der sich natürlich im schlechtesten Moment verabschiedet), und plötzlich stehen sie da – mit mehr Fragen als Antworten. Statt einfach nur um Oskar zu trauern, fangen sie an, ihn überhaupt erst kennenzulernen. Und ich dachte immer, der Tod bringt Klarheit. Pustekuchen.
Was dieses Buch besonders macht? Die Figuren. Keine glattgebügelten Superhelden, sondern echte Menschen mit Ecken, Kanten und merkwürdigen Angewohnheiten, die ich sofort in mein persönliches Chaos-Familienalbum aufgenommen hätte. Ich konnte mich richtig gut in sie reinfühlen – jeder tickt anders, aber keiner ist mir egal geblieben. Selbst wenn man ihnen manchmal ein „Jetzt reiß dich mal zusammen!“ entgegenschleudern möchte, liebt man sie doch irgendwie dafür.
Und klar, es geht um Abschied – aber eigentlich noch viel mehr ums Ankommen. Bei sich selbst, bei den anderen, bei dem Gefühl, dass Familie eben nicht immer logisch ist, aber trotzdem irgendwie funktioniert.
Warum keine fünf Sterne? Naja, manchmal hatte ich das Gefühl, der Autor macht ein bisschen zu viele elegante Pirouetten mit der Sprache, wo ein ehrlicher Satz auch gereicht hätte. Aber hey – wenn man schon über das große Drama namens Leben schreibt, darf man auch mal ein bisschen dramatisch tanzen, oder?
Fazit: Ein Buch, das nachhallt wie ein schräger Familienchor – ein bisschen schief, aber mit Herz. Wer keine Angst vor Gefühlen, kaputten Beziehungen und skurrilem Humor hat, sollte sich diesen Roman definitiv reinziehen.
Rezension von Silvana
