Rezension / Christian Handel - Beneath The Ivy - The Witches of Silvercrest Coven

 

Rezensionsexemplar als Print

★★★   4    Sterne 

Beneath The Ivy
Erschienen bei Ueberreuter
Taschenbuch (20,-€)

Erscheinungstermin: 12.03.2025
 384 Seiten

𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟


Manchmal stolpert man über ein Buch, das sich anfühlt wie eine Tasse Kräutertee an einem verregneten Sonntag – genau das war Beneath the Ivy für mich. Ich wusste zwar, dass es um eine Hexenfamilie geht, aber ich hatte nicht erwartet, in ein so liebevoll skurriles, leicht verwunschenes Setting hineingezogen zu werden.


Marissa, die Hauptfigur, war mir auf Anhieb sympathisch. Sie ist kein übertriebenes Supergirl, sondern wirkt echt – mit Ecken, Kanten und genau dem richtigen Maß an jugendlicher Neugier, Trotz und Herz. Das Landhaus, in dem ihre Familie lebt, ist fast ein Charakter für sich: geheimnisvoll, knarzend, mit schiefen Böden und seltsamen Eigenheiten – ich hätte es am liebsten selbst betreten.


Was mich besonders abgeholt hat, war die Mischung aus Magie und Mystery. Diese Zeitschleifen-Thematik hat eine ganz eigene Dynamik erzeugt. Ich wollte ständig wissen, ob die Figuren diesmal weiterkommen, ob es endlich Antworten gibt – und warum sich dieser eine Tag immer wiederholt. Die Story entfaltet sich dabei nicht mit Krawumm, sondern eher wie ein alter Hexentrank: langsam brodelnd, aber mit Wirkung. Zwischendurch wurde es sogar richtig tiefgründig, denn das Buch scheut sich nicht, Themen wie familiäre Schuld, verdrängte Traumata und den Umgang mit Ausgestoßenen aufzugreifen – und das mit überraschender Feinfühligkeit.


Tante Gladys, das schwarze Schaf der Familie, bringt nicht nur Chaos ins Spiel, sondern auch eine gewisse Tragik, die ich so nicht erwartet hätte. Ihre Rückkehr ist der Zündfunke für eine Reihe von Ereignissen, die die ganze Familie erschüttern – und mich als Leser ebenfalls in ihren Bann gezogen haben. Der Humor kommt dabei nicht zu kurz, aber er drängt sich nie in den Vordergrund. Eher wie ein Augenzwinkern zwischen den Zeilen.


Warum dann nur vier Sterne? An ein, zwei Stellen hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte ein wenig auf der Stelle tritt – die Zeitschleifen-Idee kann zwar sehr reizvoll sein, aber manchmal fehlte mir der richtige „Drive“. Ein bisschen mehr Tempo oder eine frühere Enthüllung hier und da hätten das Leseerlebnis für mich noch runder gemacht.


Alles in allem ist Beneath the Ivy aber eine wunderbar atmosphärische Geschichte, die Wärme, Magie und ein gutes Maß an Spannung verbindet. Wer Lust hat auf Hexen, Familiengeheimnisse und ein Haus, das seine eigenen Regeln hat, wird sich in Silvercrest Manor ziemlich wohlfühlen.


Fazit: Ein charmant verwobenes Hexenmärchen mit Herz, Humor und einem Hauch Mystery – ideal für alle, die sich gern in zauberhafte Welten entführen lassen.


Rezension von Silvana