Rezension / Caroline Wahl - Windstärke 17

 

Rezensionsexemplar als Print

★★★   5     Sterne 

Windstärke 17
Erschienen bei Dumont 
Taschenbuch (14,-€)

Erscheinungstermin: 30.04.2025
 256 Seiten

𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟


Nachdem ich 22 Bahnen schon regelrecht verschlungen habe, war klar: Ich muss wissen, wie Caroline Wahl weitermacht. Und sie hat es tatsächlich geschafft, noch eine Schippe draufzulegen. Windstärke 17 ist kein Wohlfühlroman im klassischen Sinn – aber genau deshalb hat er mich so tief getroffen.


Ida, die Hauptfigur, hat mich direkt mitgenommen: in einen dieser Momente im Leben, wo man einfach nur weg will. Nichts planen, einfach los. Und plötzlich steht sie mit einem klapprigen Koffer auf Rügen – mitten im Nichts und doch irgendwie genau da, wo ihre Geschichte beginnen muss.


Was mich beeindruckt hat, ist dieser ganz besondere Ton, den Caroline Wahl trifft. Es ist roh, manchmal bitter, manchmal fast zärtlich. Keine künstlichen Dramen, kein Kitsch. Stattdessen echte Gefühle: Wut, Schuld, die ganz leise und schwer im Bauch liegt, aber auch dieses fragile Ding namens Hoffnung, das sich langsam wieder ins Leben schleicht.


Die Figuren sind herrlich eigen: Knut, der Kneipenbesitzer mit Herz und Schnauze, seine Frau Marianne, die einfach macht statt fragt – und Leif, der auf eine kaputte Weise genauso verloren wirkt wie Ida. Und genau da, wo sie alle aufeinandertreffen, passiert etwas ganz Besonderes. Kein großes Kino – aber echte Nähe.


Was mich beim Lesen getragen hat, war dieser stille Wandel in Ida. Wie sie sich Raum nimmt, obwohl sie eigentlich gar keinen haben will. Wie sie langsam wieder atmen lernt, durch Waldspaziergänge, Kartenspiele und salzige Luft. Wahl beschreibt das mit so viel Feingefühl und Wärme, ohne es je kitschig werden zu lassen.


Windstärke 17 hat mich daran erinnert, dass Heilung nicht laut sein muss. Und dass manchmal ein Ort, an dem man nie sein wollte, genau der richtige ist, um sich selbst wiederzufinden.


Ganz große Empfehlung. Und ich hoffe, Caroline Wahl schreibt einfach weiter – weil ihre Bücher nachhallen. Nicht wie ein lauter Knall, sondern wie eine Brandung, die immer wieder ans Ufer spült.


Rezension von Silvana