Rezension / Benjamin Myers - Strandgut

 

Rezensionsexemplar als Print

★★★   4    Sterne 

Strandgut
Erschienen bei Dumont
Hardcover (24,-€)
Übersetzung: Werner Löcher- Lawrence
Erscheinungstermin: 17.06.2025
 288 Seiten

𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟


Ich bin ehrlich: Allein das Cover hat mich schon überzeugt, bevor ich auch nur ein Wort gelesen hatte. Wunderschön gestaltet, mit dieser leichten Melancholie in den Farben – und als Hardcover macht es sich richtig gut im Regal. Aber was drin steckt, hat mich dann doch mehr berührt, als ich erwartet hätte.


„Strandgut“ ist ein stilles, melancholisches Buch, das sich Zeit nimmt – vielleicht manchmal ein bisschen zu viel. Die Geschichte von Bucky, einem alten Soulsänger, der sich nach dem Tod seiner Frau durchs Leben schleppt und plötzlich eine zweite Chance bekommt, hat mich auf eine sanfte Art gepackt. Es ist kein Roman, der laut um Aufmerksamkeit schreit. Eher einer, der einen still zur Seite nimmt und sagt: „Schau mal, das Leben ist manchmal traurig, aber auch voller kleiner Wunder.“


Der Schreibstil ist angenehm poetisch, ohne übertrieben zu wirken. Es gab viele Sätze, die ich mir markiert habe – nicht, weil sie besonders dramatisch waren, sondern weil sie diese stille Wahrheit in sich trugen, die einem noch eine Weile im Kopf bleibt. Benjamin Myers schafft es, diese Atmosphäre aus Sehnsucht, Vergänglichkeit und leiser Hoffnung sehr eindrucksvoll einzufangen.


Ja, die Handlung zieht sich stellenweise ein wenig. Es gibt Passagen, in denen man merkt, dass es mehr um das Gefühl als um Tempo geht – und manchmal hätte ich mir da ein bisschen mehr Schwung gewünscht. Aber gleichzeitig passt dieses gemächliche Erzählen irgendwie zum Thema des Buches: zwei Menschen, die gestrandet sind, auf der Suche nach etwas, das sie vielleicht selbst nicht genau benennen können.


Was mir besonders gefallen hat, war die Dynamik zwischen Bucky und Dinah – zwei verlorene Seelen, die sich gegenseitig nicht retten, aber begleiten. Und das Meer als wiederkehrendes Motiv hat mir sowieso das Herz gestohlen. Diese Mischung aus Kälte, Freiheit und Sehnsucht hat genau meinen Nerv getroffen.


Alles in allem ein ruhiges, berührendes Buch, das nicht jedem gefallen wird, aber definitiv seine ganz eigene Schönheit hat. Für mich ein stimmungsvolles Leseerlebnis mit kleinen Längen – deshalb vier Sterne. 


Rezension von Silvana