𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟
Ich wollte eigentlich nur kurz reinschnuppern – ein paar Seiten, ein bisschen Landidylle, vielleicht ein bisschen Drama… und zack, war ich zwei Tage später fertig, leicht verwirrt, sehr begeistert und mit dem dringenden Bedürfnis, weiße Hirsche in Google einzugeben.
Martina Behm hat mit Hier draußen ein kleines literarisches Überraschungsei gezaubert: außen ländlich-harmlos, innen drin knallt’s! Nicht im Actionfilm-Sinn, sondern eher so wie ein zu harter Schluck selbstgebrannter Dorfschnaps – brennt kurz, bleibt aber im Gedächtnis.
Die Geschichte? Ingo und Lara ziehen mit den Kids aufs Land, denken: “Ach, schön ruhig hier.” Denkste! Ein weißes Reh, das zur falschen Zeit auf der falschen Straße steht, und plötzlich hängt der Hausfrieden nicht nur bei denen, sondern im ganzen Dorf schief. Prophezeiung, Aberglaube, Alltagswahnsinn – das volle Programm. Und das alles mit Figuren, die nicht glattgebügelt wirken, sondern echt. Schrullig? Absolut. Nervig? Manchmal. Aber immer unterhaltsam.
Der Schreibstil? Locker-leicht, mit genau der richtigen Dosis Ironie. Ich hab beim Lesen öfter mal geschnaubt, gekichert und mir gedacht: “Ja, genau so redet die Tante auf dem Land auch!” Es ist dieser leicht schiefe Blick auf das Normale, der das Buch so besonders macht. Kein Kitsch, kein Dorfidyll mit Zuckerguss – eher Dorfleben mit Flecken auf dem Sonntagsgeschirr.
Was mir besonders gefallen hat: Dieses feine Austarieren zwischen Witz und Ernst. Denn unter dem Humor blitzen auch Fragen auf, die einen kurz stocken lassen: Bin ich da, wo ich hingehöre? Muss ich alles glauben, was man mir erzählt? Und was passiert, wenn das Leben plötzlich einen Haken schlägt – oder eben ein Reh?
Fazit: Wer Lust auf ein Dorf hat, das mehr Geheimnisse hütet als die Schwiegermutter beim Kaffeekränzchen, auf Charaktere, die nicht auf Knopfdruck funktionieren, und auf eine Story, die mit jedem Kapitel ein bisschen schräger wird, sollte hier dringend zugreifen. Ich bin offiziell Fan – von Fehrdorf, vom weißen Reh und von Martina Behm sowieso.
Fünf Sterne und ein bisschen Heimweh nach einem Dorf, das es so vermutlich nie gegeben hat – oder doch?
Rezension von Silvana
