Rezension / Martin Walker - Déjà-vu - Der siebzehnte Fall für Bruno Chef de police

 


Rezensionsexemplar als Print

★★   3    Sterne 

Déjà-vu
Erschienen bei Diogenes
Hardcover (26,-€)
Übersetzt: Michael Windgassen
Erscheinungstermin: 23.04.2025
 400 Seiten

𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟


Ich habe mich auf den neuen Bruno-Band gefreut wie auf einen Teller Confit de Canard – gewohnt bodenständig, mit aromatischer Tiefe und einer Prise französischem Lebensgefühl. Und ja, Déjà-vu liefert auch diesmal wieder viele Zutaten, die ich an der Reihe schätze: kulinarische Ausschweifungen, liebenswerte Dorfbewohner, geschichtliche Spuren, die sich bis in die Gegenwart ziehen. Trotzdem hat es diesmal nicht ganz für mehr als drei Sterne gereicht.


Der Einstieg ist eigentlich vielversprechend: ein mysteriöses Grab bei einem alten Schlösschen, Skelette aus dem Zweiten Weltkrieg – das klang nach spannender Historie mit dunklen Abgründen. Bruno, angeschlagen und gerade erst von einer Schussverletzung genesen, macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Doch irgendwie verliert sich die Geschichte bald zwischen kulinarischen Festvorbereitungen, diplomatischem Besuch und Wetterkapriolen.


Versteht mich nicht falsch: Ich mag Brunos Kochkünste und die Atmosphäre in Saint-Denis sehr – sie sind schließlich das Herzstück der Reihe. Aber diesmal wirkte es auf mich ein bisschen wie ein Rezept mit zu vielen Zutaten. Der historische Kriminalfall bleibt seltsam distanziert, fast nebensächlich. Die Bedrohung durch die steigende Vézère bringt zwar Tempo, kann aber nicht über die dramaturgischen Längen hinweghelfen.


Was mir gefallen hat, war wie immer Walkers liebevoller Blick auf das Leben im Périgord. Seine Figuren sind charmant, und Bruno bleibt ein sympathischer Ruhepol inmitten aller Umstände. Trotzdem hatte ich beim Lesen öfter das Gefühl: Das hier ist mehr gemütlicher Dorfalltag als fesselnde Kriminalliteratur.


Fazit: Déjà-vu ist wie ein Glas guter Landwein – angenehm, aber diesmal ohne große Überraschung. Fans der Reihe werden sich sicher zuhause fühlen, wer jedoch einen spannenden Krimi mit Nachhall sucht, könnte enttäuscht sein. Ich bleibe trotzdem dran – vielleicht trifft der nächste Band wieder mehr meinen Geschmack.


Rezension von Silvana