𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟
Ich habe mich auf Die Richtige gefreut, weil ich Martin Mosebachs Sprache grundsätzlich sehr schätze – dieses FeingefĂĽhl fĂĽr Zwischentöne, diese kultivierte Ruhe in der Erzählweise, das ist schon etwas Besonderes. Auch dieses Mal trifft er viele Beobachtungen auf den Punkt und schafft es, seine Figuren in einer fast gemäldeartigen Atmosphäre schillern und zugleich zerfallen zu lassen. Und doch: Ganz abgeholt hat mich der Roman leider nicht.
Die Geschichte rund um den Maler Louis Creutz, seine Frauen, seine Machtspielchen und die Warnung »Werden Sie nicht sein Modell!« hat durchaus etwas Fesselndes. Mosebach baut seine Szenen mit Bedacht auf, und man merkt schnell: Hier geht es nicht nur um Kunst, sondern auch um Manipulation, um die Frage, wer wen wie benutzt – im Leben wie in der Kunst. Das ist interessant, keine Frage, aber manchmal auch ermĂĽdend.
Denn während ich anfangs noch sehr neugierig war, wie sich das Ganze entwickelt, blieb am Ende doch ein GefĂĽhl zurĂĽck, dass sich die Geschichte ein bisschen im Kreis dreht. Die Frauenfiguren wirken zuweilen eher wie Projektionsflächen fĂĽr Louis’ Egospielchen als wie echte Menschen, was vielleicht Absicht ist – mich aber nicht wirklich berĂĽhrt hat. Ich hätte mir mehr Reibung, mehr Eigensinn bei ihnen gewĂĽnscht.
Was ich hingegen mochte: die Sprachbilder. Ein verblĂĽhtes Azaleenbäumchen, das plötzlich wieder blĂĽht – solche Momente zeigen Mosebachs groĂźe Stärke: Metaphern, die hängen bleiben, ohne platt zu wirken. Auch die Beschreibung der Kunstwelt – elitär, schön und gleichzeitig kaputt – trifft einen Nerv.
Fazit: Die Richtige ist stilistisch auf hohem Niveau, keine Frage. Aber auf emotionaler Ebene blieb bei mir zu viel Distanz. Es ist ein Buch, das man bewundern kann – aber nicht unbedingt eines, das man liebt. Daher solide drei Sterne von mir.
Rezension von Silvana
