𝕊𝕡𝕠𝕚𝕝𝕖𝕣𝕗𝕣𝕖𝕚𝕖 ℝ𝕖𝕫𝕖𝕟𝕤𝕚𝕠𝕟
Ich habe mich auf In unseren Träumen ist immer Sommer gefreut wie auf das erste Eis des Jahres – ein Roman von Jenny Colgan, der mit Sonne, Meer und dem Charme eines kleinen schottischen Inselortes lockt. Und ja, genau das bekommt man: eine ruhige Geschichte mit viel Herz, verträumten Momenten und einer Heldin, die man am liebsten ab und zu vorsichtig schütteln möchte, damit sie aus ihrem Schneckenhaus kriecht.
Gertie, die Hauptfigur, ist sympathisch, keine Frage – aber sie bleibt für meinen Geschmack ein bisschen zu lange in ihrer Unsicherheit stecken. Ihre Träume von einem anderen Leben sind nachvollziehbar und schön erzählt, trotzdem fehlte mir manchmal der Schwung, den solche Geschichten sonst oft mitbringen. Die Handlung plätschert eher gemütlich dahin, was zwar gut zum Inselfeeling passt, aber mir an manchen Stellen einfach zu wenig Biss hatte.
Was Colgan allerdings wirklich kann, ist Atmosphäre. Man spürt fast den Salzgeruch in der Luft und hört das Kreischen der Möwen, wenn sie die Umgebung beschreibt. Carso wirkt wie ein Ort, an dem man selbst gern mal ein paar Wochen die Seele baumeln lassen würde – fernab vom Trubel, mit einem Buch in der Hand und Sand zwischen den Zehen.
Die Nebenfiguren, allen voran Gerties alte Schulfreundinnen, bringen ein bisschen Farbe ins Spiel. Ihre Dynamik hätte für meinen Geschmack gern noch mehr Raum einnehmen dürfen – da lag Potenzial, das nicht ganz ausgeschöpft wurde.
Alles in allem ist In unseren Träumen ist immer Sommer ein netter, herzerwärmender Roman, der sich perfekt für entspannte Lesestunden eignet. Wer ruhige Charakterentwicklungen mag und sich nach einer gedanklichen Reise an die Küste Schottlands sehnt, ist hier richtig. Wer allerdings etwas mehr Tempo und Tiefgang sucht, bleibt eventuell ein kleines bisschen hungrig zurück.
Fazit: Ein Buch wie eine Tasse lauwarmer Tee am Meer – angenehm, aber nicht ganz so belebend, wie ich es mir erhofft hatte.
Rezension von Silvana
