Rezension / Scott Hawkins - Die Bibliothek am Mount Char

 


Rezensionexemplar als Print

★★   4   Sterne

Die Bibliothek am Mount Char
Erschienen bei foliant
Übersetzung: Tanja Ohlsen
Hardcover (24,-€)
Erscheinungstermin: 02.10.2024
 496 Seiten

"Die Bibliothek am Mount Char" ist definitiv kein Buch für schwache Nerven, und es gehört zu den Werken, die man entweder liebt oder absolut befremdlich findet. Der Einstieg fällt schwer, und die Geschichte wirkt zunächst wirr und völlig unvorhersehbar – was für manche Leser abschreckend, für andere jedoch umso spannender sein mag. Scott Hawkins gelingt es jedoch mit Raffinesse, die scheinbar chaotischen Fäden zusammenzuführen, bis sich allmählich ein faszinierendes Gesamtbild offenbart.


Die Handlung um Carolyn, die ihre Menschlichkeit zwischen Göttern und übernatürlichen Kämpfen zu verlieren droht, ist nichts für empfindsame Gemüter. Der Schreibstil ist brutal direkt und schonungslos bildhaft. Dennoch lässt sich das Buch kaum weglegen: Hawkins' Welt ist düster, komplex und seltsam anziehend, und die kuriosen Charaktere und ihre Geschichten entwickeln sich mit einer solchen Präzision, dass man als Leser einfach wissen muss, wie es weitergeht.


Zum Ende hin belohnt Hawkins das Durchhalten, und die zunächst verwirrend erscheinenden Erzählstränge fügen sich schließlich zu einem befriedigenden Ganzen. Wer eine verstörende, aber tiefgründige Lektüre mit einem Hauch Wahnsinn sucht, wird hier nicht enttäuscht – es ist eine düstere Reise, die lange im Gedächtnis bleibt.


Ein Buch, das verwirrt, verstört und fasziniert – und den Leser durch seinen schockierenden und außergewöhnlichen Stil doch beeindruckt zurücklässt.


Rezension von Alrik