Sarah Easter Collins Debütroman ist eine tiefgründige Erzählung, die in die komplexe Beziehung einer Familie eintaucht. Im Zentrum steht Willa, die aus einer wohlhabenden Familie stammt und seit dem spurlosen Verschwinden ihrer Schwester Laika (liebevoll "Lai" genannt) von der Suche nach ihr besessen ist. Diese Obsession hat tiefe Wunden in ihrer Seele hinterlassen.
Die Dialoge im Buch sind intensiv und die zwischenmenschliche Spannung ist greifbar. Besonders eindringlich wird die unerträgliche Erziehungsmethode des tyrannischen Vaters beschrieben.
Ein Kontrast zur düsteren Familiengeschichte bietet die Figur der Robyn, die auf dem Land in einer liebevollen Familie aufwächst. Sie erweist sich als eine loyale und unterstützende Freundin für Willa. Diese Freundschaft bringt Wärme in die ansonsten melancholische Atmosphäre des Buches.
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir schwer, doch irgendwann machte es 'Klick' und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Auch wenn es keinen großen Spannungsbogen aufweist, entwickelt es dennoch eine gewisse Sogwirkung. Trotz all der dramatischen Ereignisse konnte ich keine tiefere emotionale Verbindung zu den Charakteren aufbauen. Das Ende des Buches ist solide gemacht, aber es hat mich nicht vom Hocker gerissen.
Insgesamt ist es ein fesselndes Werk, das durch seine vielschichtigen Charaktere und die feinfühlige Darstellung von Verlust und Trauma besticht. Doch trotz seiner intensiven Themen und der gelungenen zwischenmenschlichen Dynamik bleibt das emotionale Echo eher verhalten.
Rezension von Silvana
